Wo Glocken schweigen (email am Karfreitag)
by erinnye
Die Glocken schweigen, stattdessen klappern Karfreitagsrasseln, in plastehafter Holzigkeit bemüht, das Richtige zu sagen, versuchen sich auch an Buchstaben.
Die einen verhüllen in Kirchen Jesus in lilasamtenen Futteralen, Passion Christi, meist stümperhaft vorgetragen, die Wahrheiten, die daraus sprechen könnten, ertrinken im Frontalunterricht gutturaler Rezitationen.
Einige taumeln im Grün umher und waschen ihre Hände in plätschernden Bächen, trinken auch davon, den Essiggeschmack ignorierend. Mit fröhlichen Sprechbläschen zeigen sie sich gegenseitig den Frühling, ohne etwas zu sehen. Sie schreien die Geräuschlosigkeit der Sonnenfinsternis nieder, kreischen gegen die Berge an, die irgendwann auf sie fallen und rufen über die Hügel, unter denen sie begraben sein werden, das meiste verhallt ungehört.
Manche sitzen in zurückgelassener Stille, ein Gebirge aus Traurigkeit über sich. Fänden sie aus dem Berginneren heraus und würden über das Gebirge wandern, wären da Himmelsschlüssel auf den Wiesen, kleine gelbe Glöckchen, bei genauerem Zuhören läuten sie und bringen alle Worte wieder, die weg geflogen sind. In den Bergseen spiegeln sich Wolken, und wenn man sie aufmerksam anschaut, werden sie zu Bildern.
Vielleicht würde man auch erkennen, dass das Gebirge aus Leben besteht, aus Gehörtem und Gesehenem, die zu Tal stürzenden Bäche sind das gemeinsam Geweinte und die bimmelnden Kühe das Lachen.
Diejenige, für die das bestimmt ist, wird es irgendwann lesen. Meine emails sind leider immer ziemlich banal. Für einige Situationen im Leben fehlen mir öfters mal die Worte. Weiß allerdings auch nicht, ob das die richtigen sind, passionierte Melancholikerin die ich nun mal bin. Hoffe es halt.
