EDEN II – Monolog der Schlange

von erinnye

Rogier van der Weyden, Portrait einer Dame, ca. 1460


Auf dem Bauch kriechend raschle ich durch trockenes Steppengras , Dornen und Disteln und feuchte Mangrovenwälder, ich winde mich durch sandige Ruinen und schwimme durch Unterwasserstädte, meine Kinder und Kindeskinder spielen in verstaubten rosa Barbiehäusern und züngeln an schimmelbepilzten Playmobillandschaften, freuen sich an Extremen, die Erde ist uns untertan, kein Fuß tritt auf uns, der Mensch hat für uns Eden II geschaffen.

Bevor Eden I gemacht und produziert, erschaffen und generiert wurde, war die Welt eine andere, denn sie wurde nicht gemacht, sondern geboren, und wie alles, was geboren wird, war sie nicht dem Willen eines Erzeugers untertan. Göttinnen und Götter gebaren Berge, Täler und Erden. Dann MACHTE ein rachedurstiger Wüstendämon  Eden I, einen abgesperrten Garten, beherrscht von dem aus Ackerboden gekneteten Mann und der aus blutigen Rippen gehackten Frau, MACHT euch alles untertan, sagte der Macher des Gartens, ein heißer Staubhauch über einem brennenden Dornbusch, Ebenbild seiner Geschöpfe.

 Mich machte man zur Wächterin der Bäume, man sagte mir Weisheit nach, und  die Frau streichelte verstohlen über meinen Kopf, wenn ich zwischen Äpfeln und Feigen süße Heimlichkeiten zischelte, an ihrer Frisierkommode sitzend fuhr sie mit den Fingerspitzen träumerisch über die glänzenden Schuppen meiner abgelegten Häute, Zeichen der Unsterblichkeit.

Als die Menschen die  Frucht gegessen hatten, erkannten sie das Böse, und rachsüchtig vertrieben sie sich gegenseitig aus Eden I.  Das Herrschen und untertan Machen nahmen sie mit sich, und weil die Frau der Schlange geglaubt hatte, wurde sie dem Mann untertan, das Gebären eine schmerzvolle Strafe für die Untertanin. Weil er der Frau gehorcht hatte, wurde der Mann dem Ackerboden untertan und beide, Mann und Frau, traten auf meine verteufelten Köpfe, ich aber stach sie manchmal  in die Ferse, als Erinnerung an Eden I.

Unermüdlich arbeiteten sie an der Rekonstruktion von Eden I, beherrschten sich gegenseitig, Untertanen machten in schweißiger Arbeit Untertanen und aßen steiniges Brot, und in ihrer Allmacht produzierten sie Eden II, jetzt sind sie Gott, zu Staub vergangen wehen sie über Wüstenhügel.

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