Hohenzoller – Ich bekomme die Welt erklärt
von erinnye
Man bekommt so einiges erklärt. Sogar Dinge, die eigentlich selbsterklärend sind ……..
Meine Schwester ist zu Besuch. Mit ihrem jüngsten Sohn, 8 Jahre alt.
Deshalb müssen wir heute auf den Hohenzoller (korrekt: Burg Hohenzollern). Ich habe eigentlich keine Zeit, finde den Hohenzoller jetzt auch nicht soo spannend, möchte aber nicht unkooperativ erscheinen. Also fahre ich mit. Wir fahren. Unterwegs Erklärungen. Mütter haben offenbar den extremen Drang, ihren Kindern die Welt zu erklären, auch wenn die Erklärungen irgendwie ungehört in einem grünen Nintendo DS versickern. Bis wir beim Hohenzoller ankommen, bin ich schon sehr viel schlauer. Ich weiß jetzt, was ein Rathaus ist. Ich weiß ansatzweise, was Diesel ist. Ich weiß, wie meine Großmutter hieß. Ob Max das alles auch weiß, ist die Frage. Ich fühle mich jedenfalls instruiert.
Wir parken ganz unten, gefühlte 10 Kilometer vom Hohenzoller weg. Nein, weiter oben kostet’s was, erklärt meine Schwester. Wir kämpfen uns einen steilen nassen, steinigen Weg durch ein spärliches Wäldchen hoch. Anschließend kilometerlang Autostraße. Danach kommt der offizielle Parkplatz. Kostet nichts heute, zu wenig Touris. Ich bin mies drauf, weil ich Recht hatte.
Wir kämpfen weiter. Stunden später sind wir oben. Familienkarte, 25 €. Dafür müssen die jetzt aber schon was bieten. Ich mache ein Foto von einem Löwen mit Beißring, das kommt meiner Lage nahe.

Und von einem Mongolen. Zumindest sagt meine Schwester, das sei ein Mongole.

Vor uns in der Schlange zur Führung eine Gruppe italienischer Touristen. Ich beschließe, mich am Riemen zu reißen, wenn die das auch können.
Endlich Einlass zur Führung. Der Eingangsraum ist klaustrophobisch klein, zumindest wenn er mit hundert Menschen befüllt ist. Und alles reißt sich um die Filzpantoffel. Eine französische Führerin, sehr sympathisch, erklärt die 200 untertassengroßen Fresco-Kringel, die den Stammbaum der Preußen bilden. Ich setze mich zu den drei italienischen Omis auf die Wandbank. Die sind auch nicht leistungsbereit.
Danach Grafensaal. Erkerzimmer, ein Schlafzimmer und drei Räume mit Berliner Stadtansichten und Portraits. Könnte sogar interessant sein, wenn man mir heute nicht schon so viel erklärt hätte.
Schatzkammer: Eigentlich sind wir jetzt fertig, aber wir dürfen noch drin bleiben. Wir müssen nur ruhig sein, denn gleich kommt eine Kinderführung. Kinderführung? Natürlich müssen wir die Kinderführung in der Schatzkammer mitmachen, der Max könnte ja ansonsten nicht wieder gutzumachende Bildungsdefizite erleiden.
Max spielt am Nintento. Ich höre mir die Kinderführung an.
Die Kinderführung ist aus. Super, denke ich, jetzt sind wir fertig. Ich gehe schon zielstrebig in Richtung Burgtor. Nein, ruft meine Schwester und winkt aufgeregt, wir müssen noch in die Kassematten. Oh, gut, sage ich, hier gibt’s also noch mehr? Wir steigen den engen Gang runter. Hinter uns eine Gruppe Amerikaner. Der Gang ist eng. Da es hier keinen Führer gibt, übernimmt meine Schwester. Tafeln mit Erklärungen sind an der Wand angebracht. Sehr lange, fundierte Erklärungen. Meine Schwester liest jede Tafel vor. Laut, nein sehr laut. Hinter uns eine Schlange von Interessierten. Die zeigen langsam echtes Interesse. Vielleicht denken sie, ich bin stark sehbehindert. Oder in einer Art Resozialisierungsverfahren. Drei Etagen tief fressen sich die Gänge. Ab und zu wage ich einen Hinweis darauf, dass nicht alles verlesen werden muss. Erfolglos.
Schließlich die letzte Tafel: Die Sage von der weißen Frau.

Das ist eine sehr ausladende Sage. Der Max und ich lungern inzwischen am Drehkreuz zum Kassematten-Ausgang und erwarten sehnlichst das Ende der Sage. Der Gang ist zwar mittlerweile etwas breiter und die nicht so bildungswilligen Besucher haben den Weg an uns vorbeigefunden. Hinter uns dennoch ein kleiner Pulk deutscher Touristen, die auch die Tafel lesen wollen. Geht nicht, sie wird ja gerade rezitiert.
Als meine Schwester die Sage von der weißen Frau vollständig verlesen hat, applaudieren die Leute. Sie ist sichtlich zufrieden.
Irgendwie sind wir auch wieder vom Hohenzoller runtergekommen. Gerade habe ich einen Nintendo DS bei Amazon bestellt. Ein sehr nützliches Gerät. Over-night-express. Schließlich bleiben sie noch einige Tage.



Jeder tut mir leid, der dazu verurteilt ist (und sei es nur aus Höflichkeit und um des lieben Friedens willen) so eine Tortur durchzustehen, hat mein Mitleid aber *pffffffrrrruuuuscht* das war so herrlich komisch, daß ich mir, da du Fortsetzungspotential andeutest, natürlich eine erhoffe, Nit DS oder ohne. Hast du schon den 3D bestellt? welche Farbe?
3D mit integriertem Ohrpuschel.
Ach, du wohnst da, wo andere Urlaub machen?
Nein, nur in der Nähe. ich glaube das Kirchlein auf Deinem Photo habe ich schon mal besichtigt..Der Name kommt mir irgendwie bekannt vor. Wie heißt das Dorf, wo es steht?
Auswendig wusste ich es nicht mehr, aber wieder mal hilft Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Zell
Danke. Jetzt wo ich das Bild sehe, wird mir klar, dass ich Maria Zell heute vom Hohenzollern aus gesehen habe.
Mich interessiert natürlich brennend, ob deine Schwester auch deinen Blog liest. Sehr witzig, während unseres Urlaubs war dein Blog unsere Frühstückslektüre.
Meine Schwester ist zu beschäftigt. Muss Harry Potter vorlesen. Sind jetzt bei Band fünf. Zwei hat sie also noch vor sich. Bis sie das vorgelesen hat, ist dieses Post im Sumpf des Archivs untergegangen.
Und ich freue mich natürlich, dass Dir unsere Texte gefallen.
Ich wünsche viel Spaß beim Spielen!
Das ist pädagogisch sehr sehr wertvoll. Sonst hätte er es natürlich nicht. Damit spielt man nicht!!!!
Und was steht als Nächstes auf dem Programm? ;-D
Das, liebe Anima, ist morgen zu erfahren…